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Berlin / AYPA 20.09.2006
- 18:00 Uhr: Am 26.
November 2005
verabschiedete sich Nail Dural nach 25 Jahren an der Spitze der
Islamischen
Föderation in Berlin (IFB). Sein Nachfolger wurde der
ehemalige Berliner Milli
Görüs Vorsitzende Aykut Haldun Algan. Die Presse,
sowohl die deutsche als auch
die türkische, war mit Ausnahme des Sprachrohrs der
Milli-Görüs-Bewegung, Milli
Gazete, nicht zugelassen. An der Vollversammlung teilgenommen hat auch
der
Vorsitzende der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs
(IGMG), Herr Osman Döring,
genannt Yavuz Celik Karahan.
Der neue
Präsident Aykut Haldun Algan und die auf
dieser Versammlung erneut zutage getretenen Verbindungen der IFB zur
Milli
Görüs haben trotz Bedeutung der Organisation als
Träger des islamischen
Religionsunterrichtes an der staatlichen Berliner Schule keine
öffentliche
Beachtung gefunden, bis kurz vor der Wahl zum Berliner
Abgeordnetenhaus.
Eine harmlose
Wahlempfehlung des Abdurrahim Vural, in
seiner Eigenschaft als Präsident der Islamischen
Religionsgemeinschaft, hat nun
eine Schlammschlacht ausgelöst, an deren Ende eine
Neubewertung dieser
Organisation stehen dürfte, die Ende 1998 nach einem nur in
Berlin gültigen
Recht als Religionsgemeinschaft anerkannt wurde und seit 2001
islamischen
Religionsunterricht an Berliner Schulen erteilt.
Abdurrahim
Vural, seit Mitte der 90er Jahre Justiziar der
Islamischen Föderation, hat es sich zur Aufgabe gemacht, der
im Februar 1990
noch in der DDR gegründeten Islamische Religionsgemeinschaft
zum
bundesdeutschen Status der Körperschaft des
öffentlichen Rechts zu verhelfen.
Dieser Status ist mit zahlreichen Rechten und Privilegien verbunden und
vor
allem mit Geld. Seit 2005 müht sich Vural unermüdlich
um Anerkennung dieses
Status, stößt jedoch beim Rot-Roten Berliner Senat
auf taube Ohren.
Am 8. September
ruft
Vural dann in einer
Presseerklärung „alle wahlberechtigten
Bürger und Einwohner Berlins auf, sich
an den Wahlen zum Abgeordnetenhaus sowie den Bezirksvertretungen am 17.
September 2006 zu beteiligen“. Als Wahlempfehlung
schlägt er die CDU und die
FDP vor, denn der derzeitige Senat sowie die ihn tragenden Parteien SPD
und
Linkspartei/PDS haben durch die mutwillige Einführung des
Wahlpflichtbereichs
Ethik/Religion eine zukunftsweisende Reform religiöser Bildung
in Berlin
verhindert, indem sie einen Ethikunterricht zur obrigkeitlichen Pflicht
gemacht
haben. Dies geht – so ist zu befürchten –
zu Lasten des bislang von den
Religionsgemeinschaften angebotenen Religionsunterrichts, so auch des
von der
Islamischen Föderation in Berlin erteilten
Islam-Unterrichts“.
Mit dieser irrwitzigen Begründung gelingt Vural eine bescheidene
Öffentlichkeit in einigen Medien und die Islamische
Föderation sieht sich zu
einer Reaktion genötigt. Ihr kann eine Parteinahme
für oder gegen eine der
demnächst regierenden Parteien alles andere als recht sein.
Und so distanziert
sich der Präsident der IFB, Aykut Haldun Algan, von Vurals
Erklärung. „Der
Wahlaufruf zu Parlamentswahlen
am 17.09.2006, sowie die Kritik an bestimmten Parteien und die
Wahlempfehlung
zu Gunsten der Berliner Oppositionsparteien stellt die private Position
von
Herrn Vural dar und entspricht nicht der Position der IFB“,
so Algan.
Was nun
folgt ist ein Blick in die innere Verfasstheit einer Organisation, von
der die
Berliner Öffentlichkeit faktisch nur ein Gesicht kennt
– Burhan Kesici, das
liberale Aushängeschild der IFB, Vizepräsident und
Leiter des Islamischen
Religionsunterrichtes.
Am 11.
September veröffentlicht Vural auf seiner Internetseite eine
Erklärung, in der
er die
Presseerklärung „des vorgeblichen
Präsidenten der Islamischen
Föderation, Aykut Algan,“ zum Anlass nimmt,
festzustellen, dass dieser ebenso
wie die „Herren Burhan Kesici, Mustafa Özal und
Adnan Girgin“ nicht autorisiert
seien, im Namen der Islamischen Föderation in Berlin zu
sprechen. Vural
begründet diese Behauptung damit, dass die Vollversammlung der
IFB vom 26.
November 2005 nicht den Satzungsvorschriften entsprochen habe. Bis zu
einer
ordnungsgemäßen Neuwahl sei deshalb der alte
Vorstand, der im Dezember 2002
gewählt worden war, weiter im Amt. In diesem Vorstand von 2002
war Vural selbst
Mitglied und bekleidete die Funktion des
Geschäftsführers.
Das pikante an
dieser Version von Vural ist, dass der
langjährige Präsident der IFB, Nail Dural, sowie der
langjährige Vizepräsident,
der deutsche Konvertit Yahja Schülzke, bereits vor dieser
umstrittenen Wahl ihr
Ausscheiden aus dem IFB Vorstand erklärt hatten. Am 15.
September
veröffentlicht Vural außerdem ein Schreiben, in dem
Burhan Kesici seinen
„Rücktritt von allen Ämtern in der
IFB“ erklärt. Dieses Schreiben ist über ein
Jahr alt und stammt vom 10. August 2005.
Deshalb, so Vurals
Schlussfolgerung, sei er allein als „einziges noch
ordnungsgemäß im Amt befindliches Vorstandsmitglied
der Islamischen Föderation
für diese zu sprechen befugt“.
Das
will Vural nun auch gerichtlich umsetzen und hat „beim
Registergericht die Löschung der Eintragung dieser zu Unrecht
als Vorstand
eingetragenen Personen beantragt und die Senatsverwaltung für
Wissenschaft,
Forschung und Kultur des Landes Berlin darum gebeten, bis zur
gerichtlichen
Klärung der Angelegenheit keine weiteren Zuschüsse
für den von der Islamischen
Föderation erteilten islamischen Religionsunterricht mehr
auszuzahlen“.
Doch
Vural belässt es nicht bei diesen formalen Vorwürfen.
Die „ordnungsgemäße Verwendung“
der vom Senat gezahlten Gelder, so Vural, sei
„durch den angeblichen Vorstand nicht
gewährleistet“. In einem inzwischen bei
der Senatsverwaltung, dem Amtsgericht und auch der Staatsanwaltschaft
vorliegenden anwaltlichen Schreiben führt Vural aus, dass die
Gelder, die die
IFB vom Land Berlin als
Personal- und Ausbildungskosten für die
Religionslehrer erhält, „zum Teil für
andere Vereinszwecke verwandt werden als
die mit der Subvention beabsichtigen“. So habe „der
Vorstand die betreffenden
Religionslehrer per Unterschrift verpflichtet, 20 Prozent der an sie
überwiesenen Gehälter in bar zurückzuzahlen,
und denjenigen, die sich mit
dieser rechtswidrigen Praxis nicht einverstanden erklären
wollten, mit
Kündigung gedroht.“
Am 13.
September personifiziert Vural diesen Vorwurf und
verkündet die Entlassung des für
den islamischen Religionsunterricht zuständigen
Verwaltungsmitarbeiters Burhan Kesici.
Er habe, so Vural, Strafanzeige
gegen Herrn Kesici erstattet, denn dieser habe neben der
„Nötigungen zum
Nachteil der betroffenen Lehrkräfte“
außerdem gegenüber der Senatsverwaltung
Seminar- und Fortbildungstätigkeiten vorgetäuscht und
hierfür zu Unrecht
Honorare bezogen.
Burhan
Kesici, der sich nach wie vor als Vizepräsident der
IFB begreift und gegen die Vorwürfe gegen seine Person
juristisch vorgehen
will, wertet Vurals Vorgehen als Reaktion auf dessen „Betätigungsverbot
für die Islamische
Föderation und ihr angehörenden Vereine“.
Diese Erklärung ist bemerkenswert vor
dem Hintergrund, dass die IFB sowie die der IFB angehörenden
Vereine faktisch
die einzigen Mitgliedsorganisationen der von Vural angeführten
Islamischen
Religionsgemeinschaft sind. ©
AYPA 20.09.2006
- 18.00 Uhr
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